Hilfsprojekt aktuell

Der Müll, das Pferdefuhrwerk und der Bauernhof >
Sonntag, 22. Dezember 2002 18:15 Uhr Alter: 17 yrs

Die Küche für das Kinderkrankenhaus in Temesvar (Rumänien)

Das Projekt war eine Schuhnummer zu groß, zwei Schuhnummern zu aufwendig und drei Schuhnummern zu teuer. Jedenfalls für einen Verein, der de facto nur aus zwei Aktiven besteht. Trotzdem haben Michael Diestel und Eberhard Räder und ihr Verein "...FÜR..." es jetzt fast geschafft. Nach der gegenwärtigen Planung wird die Großküche der ehemaligen LVA-Klinik in Neuhaus dem Kinderkrankenhaus in rumänischen Temesvar gespendet. Ihr Projekt findet sogar bundesweit Beachtung.


In Zusammenarbeit mit dem Heimat- und Geschichtsverein im hessischen Silges nahm "...FÜR..." an dem Wettbewerb "Staat Sozial" teil und erreichte unter 2.000 Mitbewerbern einen Platz unter den ersten 20. Für diesen Spitzenplatz gab es Lob von allerhöchster Stelle, nämlich vom Schirmherrn des Wettbewerbs, Bundeskanzler Gerhard Schröder. Nach mehr als zweijähriger Planung sind die Weichen für das Küchenprojekt jetzt gestellt. "Das muss in diesem Jahr über die Bühne gehen", sagt Michael Diestel, wohl wissend, dass professionelle Kräfte für das Gelingen der Aktion unabdingbar sind. Aber wenn man ein gutes Händchen für einen guten Zweck hat, dann kommt manchmal auch das Glück dazu. Da wäre zunächst einmal das Glück, dass die Firma Gastro Konzept aus Bad Bocklet so viel Begeisterung an dem Küchenprojekt für Temesvar gefunden hat. Gastro Konzept plant jetzt den gesamten Umbau der dort vorhandenen Küche: Eine neue Elektrik, neue Wasserversorgung, neue Fliesen, neue Fenster und Türen, alles muß neu aufgebaut werden, weil der Zustand gegenwärtig so desolat ist, dass eine Renovierung gar nicht in Frage kommt. Geschäftsführer Michael Schlembach war vor Ort und zeigte sich bestürzt ob der dortigen Zustände.

Schimmelpilze in der ganzen Küche, der Herd wird über den Hauptschalter eingeschaltet, Regelungen gibt es keine mehr. Wenn im Laufe des Jahres die Voraussetzungen für den einbau durch Subunternehmer in Rumänien geschaffen sind, werden die Mitarbeiter von Gastro Konzept die Küche einbauen. Das ganze kostet natürlich eine Menge Geld, obwohl Gastro Konzept die Leistungen unentgeltlich zur Verfügung stellt. Die gesammte Aktion wird ungefähr 50.000 bis 70.000 Euro kosten.

"Da können wir so viele Jazz-Nächte machen, wie wir wollen, das kriegen wir nie zusammen", sagt Michael Diestel. Also brauchte "...FÜR..." mal wieder ein wenig Glück. Und das sollte sich einstellen. Der Verein Kinderhilfe für Rumänien, dessen Vorsitzende die Staatsministerin a.D. Barbara Stamm ist, zeigte sich spontan überzeugt von dem Küchenprojekt und sicherte 15.000 Euronen Unterstützung zu. Hinzu kommt die katholische Kirchenstiftung Renovabis, die sich ebenfalls im fünfstelligen Euronenbereich beteiligen wird. Weitere Spenden von Unternehmen hinzu gerechnet, sind Diestel und Räder überzeugt, die Großküche noch in diesem Jahr ihrem neuen Zweck zuzuführen.

Nach Hilfstransporten nach Sarajevo, nach Breslau und nach Temesvar wird dies das mit Abstand größte Projekt in der Geschichte des Vereins. Die Küche, die Fenster und Türen, die geliefert werden, haben einen Neuwert von einigen hunderttausend Euro. Da sind genaueste Planungen von professioneller Seite unabdingbar. Und weil der Verein "...FÜR..." eigentlich "Kultur für humanitäre Hilfe" heißt, soll auch der erste Teil dieses Titels nicht in Vergessenheit geraten. Aber nachdem das Küchenprojekt alle Aufmerksamkeit fordert, muß die Jazznacht 2003 leider eine Pause machen.